Unsere wunderbaren drei Wochen in Viña del Mar gingen sehr schnell vorbei und wir sind in den „kleinen Süden“ gereist. Chile ist ja in der Ost-West-Ausdehnung sehr schmal (durchschnittlich nur 180km), dafür in der Nord-Süd-Ausdehnung sehr lang (über 4000km)! Darum wird Chile in den großen & kleinen Norden, die Mitte und den kleinen & großen Süden aufgeteilt. Nachdem wir in San Pedro de Atacama im großen Norden und in Santiago & Viña / Valparaíso in der Mitte waren, sind wir nun im kleinen Süden. Wir sind wieder mit einem Bus gefahren, aber der hat im Sitzkomfort nochmal einen draufgelegt! Nachdem wir im Bus von Santiago nach Viña ein „Semi-Cama“, also ein „Halb-Bett“ hatten, gab’s im Übernacht-Bus von Viña nach Temuco die Auswahl zwischen „Salon Cama“ unten und „Premium“ oben im Bus. Wir haben uns „Premium“ gegönnt und das war wirklich nicht untertrieben. Die Lehne konnte komplett 90° nach hinten gekippt werden, ohne den Hintermann zu stören. Es gab nur halb so viele Sitzreihen und auch nur drei statt vier Sitzen nebeneinander. Für die Beine konnte man auch eine Liegefläche hochklappen, so dass normalwüchsige Südamerikaner sich komplett langlegen können. Für mich war’s ein bisschen zu kurz, aber es war trotzdem OK. Abfahrt war um 20:25, dann wurden noch in Valparaíso & Santiago weitere Pasagiere aufgenommen und um 6:15 waren wir dann in Temuco.

So früh morgens in Temuco angekommen, was 800km südlich von Viña ist, war es mit 5°C doch recht kalt. Wir waren aber vorbereitet und hatten unsere dicken Jacken im Handgepäck. Dann sind wir mit einem Taxi, wo wieder 4 Personen auf die Rückbank gequetscht wurden und der Kofferraumdeckel mit Spanngurten zugehalten wurde (der Taxifahrer war hochmotiviert, sich diese Fahrt nicht entgehen zu lassen) zu Sebas Mutter Oma Inge gefahren, die netterweise extra für uns so früh aufgestanden ist und haben dort lecker gefrühstückt. Nach dem Frühstück haben wir uns aufs Sofa gesetzt und die Jungs haben gestaunt, als dann das „Dienstmädchen“ kam und den Tisch abgeräumt hat, mal wieder viel Personal. Das Dienst“mädchen“ arbeitet übrigens schon seit 31 Jahren fünf Tage die Woche Vollzeit für die Familie und hat somit einen sicheren Job mit einem sicheren Einkommen, was hier in Chile nicht selbstverständlich ist. Wir haben dann unseren Mietwagen abgeholt, diesmal einen chinesischen Chery Tiggo 7 Pro, wo doch wirklich unser gesamtes Gepäck in den Kofferraum gepasst hat! Auf den ersten Blick also nicht so eine „Drecksschleuder“ (liebe Grüße an Hürkal 😉 wie der Pickup in Atacama. Allerdings hatte der Pickup knapp 7,9l/100km Diesel verbraucht (laut Anzeige 6,9) und die Anzeige des Chery sagt jetzt schon 8l Benzin, mal sehen wie viel es dann wirklich ist (den Verbrauch des V10 Wohnmobils in Canada habe ich mich nicht getraut auszurechnen ;). Und dann sind wir 100km nach Pucon an den Fuß des Vulcans Villarica direkt am See Villarica neben der Stadt Villarica gefahren.

Pucon war wohl früher ein Dorf, das im Winter eine Geisterstadt war. Inzwischen ist es das angesagteste Ziel für jegliche Outdooraktivitäten von Vulkanbesteigung über Rafting bis zu „normalem“ Wassersport und muss im Sommer wohl brechend voll sein. Wir werden bis Weihnachten hier bleiben und weiterreisen bevor die Saison beginnt. Die Familie von Oma Inge hat hier seit den 60er Jahren ein Casa de Verano, also ein Sommerhaus. Das Haus liegt in Sichtweite vom See in einem traumhaften, sehr grünen und schön angelegten Park, wo noch ca. 15 weitere Häuser stehen. Es ist aber so weitläufig, dass man sein Nachbarhaus nur durchs grün erahnen kann. Wir haben schon einige Nachbarn kennengelernt, die auch deutsch sprechen, da sie natürlich auch deutsche Vorfahren haben. Aber die meisten Häuser stehen im Moment noch leer, die Ferien beginnen ja auch erst Weihnachten. Das Haus ist im Bauhausstil gebaut, was damals sehr modern war und wir finden es total gemütlich. Vielen Dank, dass wir hier ein paar Wochen verbringen dürfen!

Es gibt natürlich auch einen Hausmeister/Gärtner, der sich um alles kümmert und auch hier ein Haus hat. Er spricht „nur“ spanisch und ist für uns recht schwer zu verstehen. Aber er ist sehr nett und hat den Jungs direkt 2 Kajaks und ein SUP aus dem Bootsschuppen geholt, so dass der Wassersport direkt beginnen konnte.
Jetzt sind wir also in Pucon angekommen, worauf wir uns schon lange gefreut haben. Nachdem ich das Sabbatjahr beantragt hatte und wir Seba & Tatj gesagt hatten, dass wir sie besuchen kommen würden (in 7 Jahren ;), hat Seba direkt gesagt, dass sie das Haus in Pucon hätten und dass wir dahin könnten, da im Dezember eh keiner dort wäre. Alle Reiseführer (und alle Chilenen) schreiben, dass es hier ganz toll sei, und es ist wirklich sehr schön hier. Es wird in den nächsten Wochen also einige Berichte über unsere Outdooraktivitäten geben. Man darf übrigens seit einigen Wochen wieder bis zum Kraterrand des Vulkans, allerdings erst ab 18 Jahren, was Jonas sehr schade findet. Ich freue mich sehr auf diese Tour! Letzte Nacht gab es übrigens ein Erbeben (5,5 auf der Richterskala), was allerdings nur Jessi bemerkt hat. Es kam allerdings nicht vom Vulkan und ist ganz normal hier 😉